Fassadensanierung im Bestand

Wo und wie lohnt sie sich?


Artikel vom 09.06.2026


Risse im Putz, nasse Wände und steigende Heizkosten: Irgendwann fragt sich jeder Hausbesitzer, ob die Fassade noch saniert werden kann oder ob sie besser gleich komplett erneuert werden sollte. Ob die Antwort im Einzelfall „ja“ oder „nein“ lautet, hängt nicht nur vom Zustand des Mauerwerks ab. Auch zu erreichende energetische Ziele, verfügbare Fördermittel und das am besten geeignete technische und gestalterische Verkleidungssystem müssen bei dieser Entscheidung berücksichtigt werden.


Wann ist eine Fassadensanierung energetisch und wirtschaftlich sinnvoll?

Eine pauschale Aussage zu dieser Frage lässt sich nicht treffen, jedoch gibt es Orientierungspunkte. Verbindliche Grenzwerte für den Wärmedurchgangskoeffizienten (U-Wert) der Außenwand stellt das Gebäudeenergiegesetz (GEG) bei der Sanierung von mehr als 10 Prozent der Bauteilfläche auf: Dieser soll maximal 0,24 W/(m²K) betragen. Liegt der U-Wert erheblich darüber, was bei ungedämmten Altbauten der 1960er und 70er Jahre in der Regel der Fall ist, müssen Sie sowohl baurechtlich als auch wirtschaftlich handeln. Wirtschaftlich ist eine Sanierung vor allem dann interessant, wenn ohnehin sogenannte Sowieso-Kosten entstehen, also Kosten für Gerüst, Putz und Farbe, die praktisch bei jeder Außenrenovierung anfallen. Steht das Gerüst erst einmal, sind die zusätzlichen Kosten für eine vollwertige Dämmung im Verhältnis zur Energieeinsparung gering. Laut Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG EM) via BAFA werden Fassadendämmungen mit bis zu 20 Prozent der förderfähigen Kosten gefördert. Ab 2024 können Einzelmaßnahmen zusätzlich mit dem KfW-Ergänzungskredit kombiniert werden, bei dem Kreditbeträge bis zu 120.000 Euro möglich sind.
Neben den Heizkosten mahnen auch Feuchtigkeitsschäden, Algenbildung und bröckelnder Außenputz eine baldige Sanierung an. Wer diese Warnsignale ignoriert, handelt sich damit locker auch viel teurere Folgeschäden an Mauerwerk und Tragstruktur ein.


VHF oder WDVS: Welches System für welches Gebäude?

Für die energetische Außenwandsanierung stehen im wesentlichen zwei Systeme zur Wahl: das Wärmedämmverbundsystem (WDVS) und die vorgehängte hinterlüftete Fassade (VHF). Beide Systeme erfüllen bei sachgerechter Ausführung die Anforderungen des GEG, unterscheiden sich jedoch wesentlich in Aufbau, Kosten und Eignung. Das WDVS (Wärmedämmverbundsystem) klebt man direkt auf den Untergrund und verputzt es. Es kostet ca. 90 bis 150 Euro je Quadratmeter und eignet sich für tragfähige, eben Untergründe. Es ist das am meisten verbreitete Verfahren im Einfamilienhausbau.
Die zweite Möglichkeit, die VHF (Vorhangfassade) zu bauen, ist komplizierter. Auf einer Unterkonstruktion aus Holz oder Metall wird zuerst die Dämmung montiert, dann ein Hinterlüftungsspalt von mindestens 5 cm und dann die Außenschale. Dieser Luftspalt ist entscheidend, er leitet zuverlässig feuchte Luft ab, damit kein Kondenswasser entsteht und schützt die Dämmschicht somit dauerhaft gegen Witterungseinflüsse. Als Witterungsschale kommen hier Fassadenpaneele aus Metall, Faserzement oder Holzverbundwerkstoffen zum Einsatz, die die spätere Gestaltung des Gebäudes entscheidend prägen. Die VHF ist zwar kostspieliger, die Preise schwanken laut Marktinformationen zwischen 170 und 400 Euro je Quadratmeter, doch hält sie 30 bis 40 Jahre bei nahezu keiner Wartung. Laut BBSR sind in Deutschland ca. 247 Millionen Quadratmeter Fassadenfläche mit einer VHF versehen. Die DIN 18516-1, zuletzt 2024 überarbeitet, regelt die Systembestandteile, statischen Erfordernisse und Prüfgrundsätze.
Ein Vorteil der VHF gegenüber dem WDVS: Die alte Fassade muss nicht abgeräumt werden. Das spart Zeit, verringert Lärm und Schmutz der Baustelle und macht das System auch an bewohnten Häusern einsetzbar.


Brandschutz, Materialanforderungen und Bekleidungswahl


Wer eine VHF plant, muss beim Dämmstoff unbedingt auf die Brandschutzklasse achten. Für hinterlüftete Fassaden gilt: Auf Dämmstoff der Klasse A1 (nicht brennbar) nach DIN EN 13501-1 ist zu achten, in der Regel Mineralwolle oder Steinwolle. Organische Dämmstoffe wie EPS oder XPS sind in diesem Systemaufbau in der Regel nicht zulässig.
Zur äußeren Verkleidung stehen viele Materialien zur Verfügung, jedes mit eigenen Eigenschaften. Faserzementplatten sind dampfdurchlässig, frost- und UV-beständig und wartungsfrei. Metallpaneele, häufig aus Aluminium oder verzinktem Stahl, bieten geringes Gewicht und lange Standzeit. Holzverbundwerkstoffe haben eine warme Optik und können nicht gestrichen werden, wenn sie entsprechend UV-stabilisiert sind. Keramische Platten gelten als besonders widerstandsfähig gegen mechanische Beanspruchung und Verwitterung.
Aber nicht nur das Material, auch die Befestigung ist entscheidend für die Systemsicherheit. Paneele können je nach Produkt verschraubt, genietet oder verklebt werden. Verdeckte Befestigungen sind optisch ansprechender, sichtbar ausgeführte Schraubköpfe erlauben später einen einfacheren Austausch einzelner Elemente. Mammutpaneele bietet zum Beispiel Systeme, die auf jeweilige VHF-Unterkonstruktionen abgestimmt sind und in unterschiedlichen Oberflächen geliefert werden können.
Wer eine Fassadensanierung in Angriff nehmen will, sollte sich vor dem ersten Angebot einen zertifizierten Energieberater der dena-Expertenliste ins Boot holen. Nur mit einem solchen Experten lässt sich die staatliche Förderung über BEG EM abrufen. Der Förderantrag muss vor Baubeginn gestellt werden, aber nach Annahme eines Handwerkerangebotes, das eine aufschiebende Bedingung enthält. Wer diesen Ablauf einhält, verbindet technisch sinnvolle Sanierung mit dem Maximum an verfügbarer staatlicher Unterstützung.

 

Bildquellenangabe: Katharina Wieland Müller  / pixelio.de