Risse im Putz, nasse Wände und steigende Heizkosten: Irgendwann fragt sich jeder Hausbesitzer, ob die Fassade noch saniert werden kann oder ob sie besser gleich komplett erneuert werden sollte. Ob die Antwort im Einzelfall „ja“ oder „nein“ lautet, hängt nicht nur vom Zustand des Mauerwerks ab. Auch zu erreichende energetische Ziele, verfügbare Fördermittel und das am besten geeignete technische und gestalterische Verkleidungssystem müssen bei dieser Entscheidung berücksichtigt werden.
Eine pauschale Aussage zu dieser Frage lässt sich nicht treffen,
jedoch gibt es Orientierungspunkte. Verbindliche Grenzwerte für den
Wärmedurchgangskoeffizienten (U-Wert) der Außenwand stellt das
Gebäudeenergiegesetz (GEG) bei der Sanierung von mehr als 10 Prozent
der Bauteilfläche auf: Dieser soll maximal 0,24 W/(m²K) betragen.
Liegt der U-Wert erheblich darüber, was bei ungedämmten Altbauten
der 1960er und 70er Jahre in der Regel der Fall ist, müssen Sie
sowohl baurechtlich als auch wirtschaftlich handeln. Wirtschaftlich
ist eine Sanierung vor allem dann interessant, wenn ohnehin
sogenannte Sowieso-Kosten entstehen, also Kosten für Gerüst, Putz
und Farbe, die praktisch bei jeder Außenrenovierung anfallen. Steht
das Gerüst erst einmal, sind die zusätzlichen Kosten für eine
vollwertige Dämmung im Verhältnis zur Energieeinsparung gering.
Laut Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG EM) via BAFA
werden Fassadendämmungen mit bis zu 20 Prozent der förderfähigen
Kosten gefördert. Ab 2024 können Einzelmaßnahmen zusätzlich mit
dem KfW-Ergänzungskredit kombiniert werden, bei dem Kreditbeträge
bis zu 120.000 Euro möglich sind.
Neben den Heizkosten mahnen
auch Feuchtigkeitsschäden, Algenbildung und bröckelnder Außenputz
eine baldige Sanierung an. Wer diese Warnsignale ignoriert, handelt
sich damit locker auch viel teurere Folgeschäden an Mauerwerk und
Tragstruktur ein.
Für die energetische Außenwandsanierung stehen im wesentlichen zwei
Systeme zur Wahl: das Wärmedämmverbundsystem (WDVS) und die
vorgehängte hinterlüftete Fassade (VHF). Beide Systeme erfüllen
bei sachgerechter Ausführung die Anforderungen des GEG,
unterscheiden sich jedoch wesentlich in Aufbau, Kosten und Eignung.
Das WDVS (Wärmedämmverbundsystem) klebt man direkt auf den
Untergrund und verputzt es. Es kostet ca. 90 bis 150 Euro je
Quadratmeter und eignet sich für tragfähige, eben Untergründe. Es
ist das am meisten verbreitete Verfahren im Einfamilienhausbau.
Die
zweite Möglichkeit, die VHF (Vorhangfassade) zu bauen, ist
komplizierter. Auf einer Unterkonstruktion aus Holz oder Metall wird
zuerst die Dämmung montiert, dann ein Hinterlüftungsspalt von
mindestens 5 cm und dann die Außenschale. Dieser Luftspalt ist
entscheidend, er leitet zuverlässig feuchte Luft ab, damit kein
Kondenswasser entsteht und schützt die Dämmschicht somit dauerhaft
gegen Witterungseinflüsse. Als Witterungsschale kommen hier
Fassadenpaneele
aus Metall, Faserzement oder Holzverbundwerkstoffen
zum Einsatz, die die spätere Gestaltung des Gebäudes entscheidend
prägen. Die VHF ist zwar kostspieliger, die Preise schwanken laut
Marktinformationen zwischen 170 und 400 Euro je Quadratmeter, doch
hält sie 30 bis 40 Jahre bei nahezu keiner Wartung. Laut BBSR sind
in Deutschland ca. 247 Millionen Quadratmeter Fassadenfläche mit
einer VHF versehen. Die DIN 18516-1, zuletzt 2024 überarbeitet,
regelt die Systembestandteile, statischen Erfordernisse und
Prüfgrundsätze.
Ein Vorteil der VHF gegenüber dem WDVS: Die
alte Fassade muss nicht abgeräumt werden. Das spart Zeit, verringert
Lärm und Schmutz der Baustelle und macht das System auch an
bewohnten Häusern einsetzbar.
Wer eine VHF plant, muss beim Dämmstoff unbedingt auf die
Brandschutzklasse achten. Für hinterlüftete Fassaden gilt: Auf
Dämmstoff der Klasse A1 (nicht brennbar) nach DIN
EN 13501-1 ist zu achten, in der Regel Mineralwolle
oder Steinwolle. Organische Dämmstoffe wie EPS oder XPS sind in
diesem Systemaufbau in der Regel nicht zulässig.
Zur äußeren
Verkleidung stehen viele Materialien zur Verfügung, jedes mit
eigenen Eigenschaften. Faserzementplatten sind dampfdurchlässig,
frost- und UV-beständig und wartungsfrei. Metallpaneele, häufig aus
Aluminium oder verzinktem Stahl, bieten geringes Gewicht und lange
Standzeit. Holzverbundwerkstoffe haben eine warme Optik und können
nicht gestrichen werden, wenn sie entsprechend UV-stabilisiert sind.
Keramische Platten gelten als besonders widerstandsfähig gegen
mechanische Beanspruchung und Verwitterung.
Aber nicht nur das
Material, auch die Befestigung ist entscheidend für die
Systemsicherheit. Paneele können je nach Produkt verschraubt,
genietet oder verklebt werden. Verdeckte Befestigungen sind optisch
ansprechender, sichtbar ausgeführte Schraubköpfe erlauben später
einen einfacheren Austausch einzelner Elemente. Mammutpaneele
bietet zum Beispiel Systeme, die auf jeweilige
VHF-Unterkonstruktionen abgestimmt sind und in unterschiedlichen
Oberflächen geliefert werden können.
Wer eine Fassadensanierung
in Angriff nehmen will, sollte sich vor dem ersten Angebot einen
zertifizierten Energieberater der dena-Expertenliste ins Boot holen.
Nur mit einem solchen Experten lässt sich die staatliche Förderung
über BEG EM abrufen. Der Förderantrag muss vor Baubeginn gestellt
werden, aber nach Annahme eines Handwerkerangebotes, das eine
aufschiebende Bedingung enthält. Wer diesen Ablauf einhält,
verbindet technisch sinnvolle Sanierung mit dem Maximum an
verfügbarer staatlicher Unterstützung.
| Bildquellenangabe: | Katharina Wieland Müller / pixelio.de |