Das Büro in der Einfamilienhaus-Siedlung

Mit der Industrialisierung ab dem 19. Jahrhundert wurde etwas getrennt, was vorher oft eine Einheit war. Das am gleichen Ort gewohnt und gearbeitet wurde. In den überwiegend handwerklichen Strukturen befand sich die Werkstatt meist im Erdgeschoss und darüber die Wohnung. In der Neuzeit verändern sich langsam diese Strukturen wiederum. Von den zentralisierten Arbeitsplätzen in der Industrie hin zu dezentralisierten Büros im Dienstleistungsbereich. So werden immer mehr Büros in Wohnhäusern eingerichtet. Inzwischen lassen sich längst in Wohnhäuser, auch in Einfamilienhäusern, integrierte Büros zur Miete finden.

Ein Vorteil dieses Zusammenschlusses ist, dass die Mietkosten eingespart werden können. Durch nützliche Verpackungen und Kartons können Dokumente und Akten in eh ungenutzte Ecken der Wohnung verstaut werden. So fällt ein zusätzlicher Lagerraum, indem zudem eh oftmals große Unordnung herrscht weg.

Im Grunde hinken nicht wenige Gemeinden und Kommunen mit ihrer baurechtlichen Planung dem Trend der Zeit hinterher. Es entstehen überall reine Gewerbeparks, um auf diese Weise Investoren anzulocken und so Arbeitsplätze zu schaffen und natürlich um Steuern einzunehmen. Die heutigen Mischgebiete aus Wohnraum und Gewerbe hingegen sind meist über Jahrzehnte gewachsene Strukturen, die sich hauptsächlich aus Mietwohnungen und Einzelhandel zusammensetzen.

 

Natürlich richten sich viele Selbstständige und freiberuflich tätige Menschen einfach ihr Büro in der Wohnung ein und melden dies dann steuerrechtlich an. Doch in der städtebaulichen Planung findet diese Umstrukturierung eigentlich zu wenig Berücksichtigung. Dabei hätte dies gerade für Innenstädte einen sehr großen Vorteil. Nicht wenige der Geschäftsviertel in den großen Städten sind nach Ladenschluss geradezu geisterhaft leer. Kunden und Mitarbeiter befinden sich nun in den reinen oder den überwiegenden Wohnvierteln. Dabei könnten eine große Anzahl an Bürotätigkeiten ohne Probleme mit dem Wohnen verknüpft werden. Die Folge wäre eine allgemeine Belebung der Innenstadtbereiche und vor allem eine neue beziehungsweise althergebrachte Sortierung des Einzelhandels, der sich wieder auf Kunden ausrichtet, die nicht nur an Bekleidung, Schuhen, Handys und Medizin interessiert sind.

 

Aber nicht nur das. Durch die Verbindung von Arbeiten und Wohnen lassen sich generell auch inzwischen überholte Strukturen der Arbeitswelt aufbrechen. So etwa der mit der Industrialisierung eingeführte 8-Stunden-Tag. Den einzelnen Handwerkern war diese Regelung vorher weitgehend unbekannt. Arbeiten, wohnen und leben waren vielmehr eine Einheit, in der sich die verschiedenen Dinge je nach Bedarf ablösten. Hinzu kommt, dass die Verbindung von Wohnung und Büro weit wirtschaftlicher ist, als wenn diese unzählige Kilometer auseinanderliegen. Vom Aspekt des Umweltschutzes mal abgesehen.

 

Sicherlich lässt sich ein Großraumbüro nicht in der Form betreiben, das jeder Mitarbeiter im selben Haus wohnt. Vielmehr stellt sich doch, aufgrund der modernen technischen Möglichkeiten, die Frage, wozu ein Großraumbüro notwendig ist? Projektarbeit oder Konferenzen werden längst problemlos über Kontinente hinweg abgehalten. Die Arbeit am Computer ist dieselbe, ob nun im Gewerbegebiet oder im Einfamilienhaus.

 

Es lohnt sich in jeder Hinsicht, gerade bei Büroarbeit über neue Strukturen nachzudenken.

 

Bildquelle:
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