Fördermöglichkeiten beim Passivhaus - ein Überblick

Wer vom Mieter zum Eigentümer werden will, hat 2016 gute Karten. Zumindest wenn es um die Kosten der Finanzierung geht. In den letzten Jahren sind die Kreditzinsen deutlich gesunken. Wohnungsbaukredit kosteten laut Bundesbank im Dezember 2014 noch 2,13 Prozent p. a. Im Mai 2016 wurden Kreditnehmern Darlehen bereits für durchschnittlich 1,79 Prozent angeboten. Allerdings ist diese „Vergünstigung“ nur eine Seite der Medaille. Bauen ist in den letzten Jahren teurer geworden. Dazu tragen höhere Grundstückspreise oder hohe Handwerkerkosten bei. Aber auch Bauvorschriften und der Anspruch an die Energieeffizienz leisten ihren Beitrag.

Gerade letztgenannter Aspekt ist seit einigen Jahren in den Fokus gerückt. Allein die steigenden Energiekosten sorgen dafür, dass Bauherren Interesse an sinkenden Verbrauchswerten haben. Folgt man den Zahlen des Statistischen Bundesamts, ist der Preisindex für Erdgas seit 2010 von 100 auf 110,7 im Jahr 2015 geklettert. Noch gravierender die Entwicklung beim Strom: Hier liegen zwischen 2010 und 2015 ganze 24,8 Zähler. Zu den sehr sparsamen Gebäudeklassen gehört das Passivhaus. Letzteres ist allerdings nicht ganz billig. Nur ein Grund, um sich nach Förderungen umzusehen. Doch wie funktionieren staatliche Förderungen und welche Voraussetzungen müssen dafür erfüllt werden? In diesem Artikel wird näher auf die Thematik eingegangen.

Wer beim Hausbau auf Maßnahmen wie Wärmedämmung und Belüftung setzt, kann einen Energiestandard wie ein Passivhaus erreichen. Die Maßnahmen sollten jedoch sinnvoll aufeinander abgestimmt werden, um später auch den gewünschten Effekt zu erzielen.

 

Was ist ein Passivhaus?

Der Begriff Passivhaus wirkt im ersten Moment auf den Laien etwas nebulös. Die Wortschöpfung ist in den letzten Jahren zunehmend verbreitet worden. Das Prinzip hinter dem Passivhaus ist allerdings wesentlich älter. Prinzipiell geht es darum, Wohnraum so zu gestalten, dass eine Gebäudeheizung eigentlich nicht erforderlich ist.

Erste Anwendungen hat dieses Prinzip bereits im 19. Jahrhundert erfahren – allerdings in der Seefahrt. Die Adaption auf die Gebäudewirtschaft beginnt etwa in den 1970er Jahren. Seit den 1990er Jahren wird verstärkt darauf gesetzt, dass Familien und Haushalte ein Passivhaus bauen – als Mehr- oder Einfamilienhaus. Im Wesentlichen beruht das Prinzip Passivhaus auf:

  • Wärmedämmung
  • Gebäudelüftung
  • Heizung

 

Letztere spielt allerdings eine eher untergeordnete Rolle. Die Wärmedämmung soll Energieverluste mindern und eine Wärmerückgewinnung erlauben. Ähnlich ist die Gebäudelüftung angelegt. Das Ziel: Der Bedarf an Restenergie ist so gering wie möglich. Im Optimalfall geht das Ganze gegen Null. Auf diese Weise werden die Emissionen deutlich gesenkt und die Hausbesitzer können sich zudem über deutlich niedrigere Energiekosten freuen.

 

Welche staatlichen Förderungen lassen sich nutzen?

Wie teuer wird ein Passivhaus? Diese Frage ist nicht pauschal zu beantworten. Es spielen in der Praxis einfach zu viele Sachverhalte eine Rolle. 250.000 Euro oder 300.000 Euro wird man einplanen müssen. Förderungen kommen da gerade recht.

Generell ist hier zwischen:

  • staatlichen Förderungen auf Bundesebene
  • staatlichen Förderungen auf Landesebene
  • privatwirtschaftlichen Förderungen

zu unterscheiden.

Letztere können beispielsweise zinsgünstige Baufinanzierungen sein, die von Banken als Nische betreut werden. Zu den bekannten Förderoptionen gehören natürlich die KfW-Förderprogramme. Hierbei gehen wir von einem Neubau aus. Das Ergebnis: Es lassen sich zwei Förderungen kombinieren – und zwar:

  • KfW-Wohneigentumsprogramm (124)
  • Energieeffizient Bauen (153)

 

Das Wohneigentumsprogramm bietet eine Höchstsumme von 50.000 Euro als zinsgünstigen Kredit. Beim Energieeffizient Bauen ist ein Kredit von bis zu 100.000 Euro drin – mit maximal 15.000 Euro Tilgungszuschuss. Hierzu muss jedoch auch ein entsprechender KfW-Effizienzhaus-Standard erreicht werden, der oft noch weniger Primärenergiebedarf aufweist als ein normales Passivhaus.

Im Idealfall ließe sich auf diese Weise bereits mehr als die Hälfte des Preises decken. Darüber hinaus sind weitere Förderungen – etwa durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) möglich. Und einige Bundesländer – hier beispielsweise NRW – greifen energiebewussten Bauherren unter die Arme.

 

Was ist beim Bau zu beachten?

Der Bau eines Passivhauses als Eigenheim ist förderfähig. Es bietet sich in jedem Fall an, entsprechende Programme sehr detailliert zu recherchieren. Aber: Als Bauherr muss es zur Aufgabe gehören, die Förderbedingungen im Blick zu behalten.

Gerade die Energieeffizienz-Förderungen sind an die Einhaltung vorgeschriebener Standards gekoppelt. Beispiel: Energieeffizientes Bauen (153) kommt für KfW-Effizienzhäuser 55, 40 oder 40 Plus in Frage. Vor dem Antrag auf die Förderung ist es erforderlich, mit einem Experten (Energieberater o. Ä.) die Maßnahmen zu planen und in die Bauplanung aufzunehmen.

Abschließend ist es zu empfehlen, sich das Erreichte entsprechend gutachterlich absichern zu lassen. Für Förderungen seitens der KfW sind entsprechende Nachweise/Bestätigungen Pflicht. Für diesen Part sind allgemein die betreuenden Energieberater verantwortlich.

Beim Bau eines Passivhauses geht es aber nicht nur um Fragen wie Bauplanung oder Bauantrag. Da die effiziente Nutzung von Energie auch durch Lage und Ausrichtung der Immobilie bestimmt wird, sind an diesem Punkt auch ganz praktische Fragen zu klären. Noch komplexer wird das Thema Passivhaus, wenn Solarthermie oder Fotovoltaik in das Konzept integriert werden. Hier taucht die Frage nach einer optimalen Nutzung der Strahlungsenergie auf – oder wie die Anlagen in der Folge adäquat abgesichert und instand gehalten werden.

 

Fazit: Passivhäuser sparen Energie und werden gefördert

Mit einem Passivhaus sparen Bauherren Energie. Die dafür höheren Baukosten werden Jahr für Jahr – durch niedrige Energiekosten – in die Haushaltskasse gespült. Was im ersten Moment verlockend klingt, ist in der Praxis wesentlich schwieriger. Passivhäuser kosten Geld. Förderungen sorgen zwar für Abhilfe, Letztere werden aber nicht „ins Blaue“ vergeben. Interessierte Bauherren müssen sich im Klaren darüber sein, dass es an dieser Stelle nicht ohne Nachweise geht. Verkompliziert wird das Ganze durch die Tatsache, dass nicht nur eine Förderung existiert. Neben KfW und BAFA lassen sich auch Länder und Banken mit ins Boot holen. Jede dieser Kapitalquellen bringt ganz eigene Anforderungen und Hürden mit. Beim Thema Förderung fürs Passivhaus sollten potenzielle Bauherren daher mit Experten zusammenarbeiten, um letztlich auch die gewünschte Förderung zu erhalten. Sollte diese nämlich nachträglich verweigert werden, kann dies die gesamte Finanzierung des Bauprojektes ins Wanken bringen.

 

Bildquellen:

Abbildung 1: © e-gabi (CC0-Lizenz)/ pixabay.com

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