Bei der Planung einer neuen Gewerbe- oder Industriehalle liegt der Fokus der Bauherren und Architekten meist auf den offensichtlichen Gewerken: dem Tragwerk, der Bodenplatte, der Dämmung oder der logistischen Anbindung. Die Beleuchtung wird in dieser Phase häufig als sekundäres Ausstattungsmerkmal betrachtet – ein Fehler, der sich später rächen kann. Denn Licht ist in der Industrie weit mehr als nur Helligkeit. Es ist eine kritische Infrastruktur, die direkten Einfluss auf die Produktivität der Mitarbeiter, die Unfallhäufigkeit und vor allem auf die laufenden Betriebskosten des Gebäudes hat.
Die Herausforderungen sind dabei gänzlich anders als im Wohn- oder Bürobau. Riesige Raumvolumen, große Montagehöhen und oft raue Umgebungsbedingungen erfordern technische Speziallösungen. Um eine normgerechte, sichere und langfristig wirtschaftliche Arbeitsumgebung zu schaffen, müssen Bauherren spezialisierte LED Hallenstrahler kaufen, die in der Lage sind, das Licht auch aus großen Höhen effizient und blendfrei auf den Boden zu bringen. Dieser Leitfaden führt Sie durch die wichtigsten Aspekte der Lichtplanung für den Hallenbau.
Ein wesentliches Merkmal von Industriehallen ist ihre Höhe. Montagehöhen von 6, 10 oder sogar 15 Metern sind keine Seltenheit. Dies stellt die Physik der Beleuchtung vor eine Aufgabe: Wie verhindert man, dass das Licht auf dem langen Weg zum Boden streut und an den oberen Wänden nutzlos verpufft?
Die Lösung liegt in der Wahl der richtigen Optik. Moderne LED-Strahler verfügen über Linsen, die den Lichtkegel formen. Die Wahl des sogenannten Abstrahlwinkels muss exakt auf die Hallengeometrie abgestimmt werden:
Niedrige bis mittlere Hallen (4 bis 6 Meter): Hier sind Strahler mit einem breiten Abstrahlwinkel (ca. 120°) ideal. Sie verteilen das Licht großflächig, sorgen für eine homogene Ausleuchtung und verhindern, dass bei niedrigen Decken dunkle Zonen zwischen den Leuchten entstehen.
Hohe Hallen (ab 8 bis 12 Meter): Hier sind engstrahlende Optiken (90° oder 60°) zwingend erforderlich. Diese funktionieren wie ein Scheinwerfer: Sie bündeln das Licht, um es mit Druck nach unten zu bringen. Würde man hier breite Winkel nutzen, käme am Boden kaum noch Licht an (Lux), obwohl die Leuchte viel Energie verbraucht (Lumen).
Hochregallager: Dies ist die Königsdisziplin. Hier werden spezielle, elliptische Linsen benötigt, die das Licht in einen schmalen, langen Streifen formen, um exakt den Gang auszuleuchten, ohne die Regaloberseiten zu bestrahlen.
Im gewerblichen Bereich ist Beleuchtung kein "Wünsch-dir-was", sondern gesetzlich geregelt. Die Arbeitsstättenregel ASR A3.4 und die Norm DIN EN 12464-1 definieren Mindestwerte für die Beleuchtungsstärke (gemessen in Lux), die zur Gewährleistung der Arbeitssicherheit und Sehleistung nicht unterschritten werden dürfen.
Eine wirtschaftliche Planung differenziert die Halle in verschiedene Zonen, anstatt pauschal alles gleich hell zu machen:
Verkehrswege und Lagerbereiche: Für die grobe Orientierung und den Staplerverkehr reichen oft 100 bis 150 Lux aus.
Produktion und Montage (Grob bis Mittel): In Bereichen, in denen montiert, geschweißt oder verpackt wird, fordert der Gesetzgeber meist 300 bis 500 Lux, um Fehler und Unfälle zu vermeiden.
Feinmechanik und Qualitätskontrolle: Wo es auf zehntel Millimeter ankommt oder Oberflächen geprüft werden, sind Werte von 750 bis 1.000 Lux erforderlich.
Wichtiger Planungshinweis: Planen Sie immer mit einem sogenannten "Wartungsfaktor". Jede Leuchte verliert über die Jahre minimal an Kraft. Die Anlage muss so dimensioniert sein, dass die Normwerte auch nach Jahren noch erreicht werden (Wartungswert), nicht nur am ersten Tag (Neuwert).
Neben der reinen Lichtmenge (Quantität) ist die Lichtqualität entscheidend für den Arbeitsschutz in der Industrie. Zwei Faktoren werden von Bauherren oft übersehen:
In Hallen mit rotierenden Maschinen (Drehmaschinen, Bohrer, Ventilatoren) ist "flimmerfreies Licht" lebenswichtig. Herkömmliches oder minderwertiges LED-Licht flimmert im Takt der Netzfrequenz. Dies kann zum Stroboskop-Effekt führen: Rotierende Maschinenteile erscheinen für das Auge so, als würden sie stillstehen. Ein Mitarbeiter könnte hineingreifen – mit fatalen Folgen. Hochwertige Industrieleuchten eliminieren dieses Flimmern technisch komplett.
Ein Blick in eine extrem helle LED-Lichtquelle kann kurzzeitig blenden ("verblitzen"). Für Staplerfahrer, die Paletten in hohe Regale heben und dabei nach oben schauen müssen, ist dies ein hohes Unfallrisiko. Leuchten mit speziellen Linsen oder Reflektoren minimieren diese Direktblendung (niedriger UGR-Wert).
Beim Bau einer Halle sind die Budgets oft knapp kalkuliert. Doch bei der Beleuchtung nur auf den niedrigsten Anschaffungspreis zu schauen, ist langfristig die teuerste Entscheidung. Die wahren Kosten einer Beleuchtungsanlage entstehen im Betrieb.
Die entscheidende Kennzahl ist "Lumen pro Watt" (lm/W). Sie gibt an, wie effizient der Strom in Licht umgewandelt wird.
Eine Standard-LED liefert vielleicht 120 lm/W.
Ein Hochleistungs-Strahler liefert 160 lm/W. Bei einer großen Halle mit 50 Strahlern im Mehrschichtbetrieb (z.B. 4.000 Betriebsstunden/Jahr) spart die effizientere Leuchte über ihre Lebensdauer hinweg schnell fünfstellige Summen an Stromkosten ein – ein Vielfaches der Preisdifferenz bei der Anschaffung.
Der Austausch einer defekten Leuchte in 12 Metern Höhe ist teuer. Es werden Hubsteiger benötigt, oft muss die Produktion in diesem Bereich gestoppt werden. Bauherren sollten daher zwingend auf Industriequalität setzen. Merkmale wie massive Kühlrippen am Gehäuse (für das Thermomanagement), hochwertige Marken-Treiber und eine lange Garantie (z.B. 5 Jahre) sind Indikatoren für eine Leuchte, die auch nach 50.000 Stunden noch wartungsfrei arbeitet.
Die Beleuchtung im Hallenbau ist eine
komplexe technische Disziplin, die Physik, gesetzliche Normen und
Betriebswirtschaft vereint. Wer hier sorgfältig plant und auf
spezialisierte, langlebige Technik setzt, schafft eine Immobilie, die
nicht nur sicher und normgerecht ist, sondern auch dauerhaft niedrige
Betriebskosten garantiert. Eine professionelle Lichtplanung vor
Baubeginn ist der beste Weg, um diese Ziele zu erreichen und
Fehlinvestitionen zu vermeiden.
Bild: August Müller Lichttechnik