Bauarten Massivhaus

Bisher gelesen

Wenn der Wunsch sein eigenes Haus zu bauen konkret werden soll, steht zunächst die Frage im Raum ob es ein Fertighaus oder ein Massivhaus werden soll.
Die Auseinandersetzung darüber wird meist emotional geführt, deshalb will ich hier einige sachliche Argumente beisteuern und näher beschreiben.

1. Wie wird ein Massivhaus errichtet?

Wände der Massivhäuser werden nicht mehr nur Stein auf Stein errichtet, sie können auch aus Beton sein, der teilweise im Werk vorgefertigt wird oder komplett auf der Baustelle gegossen wird, bestehen. Decken werden in der Regel immer aus Beton sein. Oft benutzt man teilvorgefertigte Decken die als Schalung dienen und die dann auf der Baustelle vollständig vergossen werden. Die verschiedenen Steine bestehen aus den natürlichen Stoffen Ton und  Kalksandstein, je nach Verwendungszweck sind es Vollsteine, Lochsteine, Porenbetonsteine, Ziegel oder Klinkersteine.  
Bei der gerade bei Eigenleistern beliebten Bauweise mit grossen Blöcken werden keine dicken Mörtelfügen mehr aufgebracht, sondern die Steine werden mit einer dünnen Füge verklebt. Statt von Mörtel spricht man von Baukleber. Leichte Steine mit hoher Wärmedämmfähigkeit verwendet man für Aussenwände, sofern nicht tragende Konstruktionen erforderlich sind.
Die Dachkonstruktionen der Massivhäuser bestehen nach wie vor aus Holz, zumeist als Schrägdach in der Ausführung als Sparrendach oder Pfettendach. Ein Flachdach aus Holz ist eher unüblich.    

2. Das Massivhaus, seine Baukosten und die Werterhaltung

Ein Massivhaus wird üblicherweise von einem Hausbau-Unternehmer aus der Region errichtet. Auch überregionale Massivhaus-Unternehmen arbeiten mit Partnerunternehmen vor Ort zusammen. So entfallen lange Anfahrtswege für die schweren mineralischen Baustoffe aus Sand, Kies, Zement, anderen Erden und anorganischen Bindemitteln. Speziell vorgefertigte Mischungen für besondere Aufgaben am Hausbau werden dennoch vom Werk aus auch von weiter her angeliefert. Nachteilig sind die einzuhaltenden Trocknungszeiten / Abbindezeiten von Mörtel, Beton und Bauklebern. Trotz recht guter Dämmeigenschaften von Leichtbeton kommt kein Massivhaus ohne zusätzliche Wärmedämmung der Aussenhülle aus, um wirklich gute Werte zu erreichen. Belohnt wird der Bauherr zum Ausgleich mit hoher Wärmespeicherkapazität der massiven Wände und besseren Schallschutzeigenschaften besonders gegen tiefe Frequenzen.
Oft wird argumentiert, dass ein Massivhaus grundsätzlich eine bessere Wertanlage ist als ein Fertighaus. Dazu muss gesagt werden, dass viele Faktoren den Preis eines Hauses bestimmen. Die architektonische Verspieltheit, die sich ebenfalls auf den Preis auswirkt, ist mit einem Fertighaus leichter zu erreichen. Die robuste Bauweise der Massivhäuser verzeihen aber sicherlich eher Wartungsfehler. In der Regel ist der Massivhausbau etwas teurer als der Fertighausbau.

3. Ein Massivhaus besteht aus mineralische Baustoffen

Mineralische Baustoffe sind natürliche Baustoffe und belasten die Umwelt in keinster Weise und können in fast unbegrenzten Ressourcen ohne Bedenken abgebaut werden. Die Herstellung von Zement und das Brennen der Ziegel ist mit einigem Aufwand und Einsatz von Energie verbunden. Es können jedoch viele regionale Vorkommen genutzt und überlange Transporte vermieden werden.  Allerdings wachsen die benötigten Baustoffe der Massivhäuser nicht nach wie Holz.

4. Massivhäuser und deren bauphysikalische Eigenschaften

Die Grundbaustoffe der Massivhäuser sind Sand, Kies, Kalk und Ton. Diese sind allesamt unbedenklich und werden chemisch unbehandelt eingesetzt. Sie gasen nichts aus, sondern keine Fasern ab und enthalten auch keine Partikel etwa durch Imprägnierung oder imprägnierende Anstriche. Zusätze werden lediglich für WU-Beton (Wasserundurchlässiger Beton) oder Bitumenanstriche und Bitumenbahnen gegen drückendes und nichtdrückendes Wasser gebraucht.
Der günstige Taupunkt eines homogenen massiven Wandaufbaus wird jedoch durch das Aufbringen zusätzlicher Wärmedämmung zum Nachteil verlagert.

 

5. Raumgefühl und Klima im Massivhaus

Oft ist vom Wohnklima die Rede, das in einem Massivhaus angenehmer sein soll. Hiermit ist die höhere Wärmespeicherfähigkeit der massiven Wände und deren Abgabe der Wärme durch Strahlungswärme gemeint (Kachelofeneffekt). Massive Wände benötigen allerdings eine längere Aufheizzeit, welche sich im Sommer dann jedoch auch wohltuend temperaturabsenkend auswirken kann. In wieweit Massivhäuser auch signifikant  höhere feuchteregulierende Eigenschaft haben als Fertighäuser sollte jeder Bauherr und jede Bauherrin bei einem Besuch in einer Musterhaus-Ausstellung selbst einmal persönlich in Augenschein nehmen um zu entscheiden ob dieser Effekt ein Argument für oder gegen die eine oder andere Bauweise ist.
Die Winddichtigkeit wird heute bei allen Häusern obligatorisch mit dem Blower-Door-Test festgestellt und steht bei einem massiven Mauerwerk natürlich ausser Frage. Undichtigkeiten im Bereich der Fenster und Öffnungen kann es im Massivhaus allerdings genauso geben wie in anderen Bauweisen.
 

6. Brandschutz und Einbruchschutz im Massivhaus

Bei einem Massivhaus kann nur der Dachstuhl abbrennen, das allein ist aber heute kein Argument mehr, auch in dichter bebauten Wohngebieten nicht. Würde Wand an Wand gebaut, geschähe der Feuerüberschlag mit verminderter Kraft über das Dach, aber letztendlich ist heute die Feuerwehr der entscheidende Faktor. Von der Statik aus betrachtet behält ein brennender Holzbalken noch sehr lange auch bei geringer werdendem Querschnitt eine hohe Festigkeit weil die Kohle den verbleibenden Holzquerschnitt zunehmend schützt. Wird ein Stahlträger einmal auf zu hohe Temperatur gebracht verliert er plötzlich seine Festigkeit. Massive Wände halten einem Feuer äusserst lange stand und bieten selbstverständlich einen fast natürlichen und hohen Brandschutz. Auch die Tatsache, dass massive Wände keine Hohlräume haben, in dem sich Schwelbrände verstecken und Rauchgase ausbreiten können sprechen für Mauerwerk. Die Prävention durch Rauchmelder dürften aber auf jeden Fall der sicherste Schutz gegen Rauch und Feuer sein.
Der Einbruchschutz ist bei einem Massivhaus nicht grundsätzlich besser als bei einem Fertighaus, weil die Schwachstellen sowieso die Öffnungen, Fenster und Türen, eines Hauses sind.

 

7. Das Massivhaus und der Schallschutz ist ein individuelles Thema

Schwere Baustoffe dämmen Schall besser als leichte Baustoffe, besonders gegen tiefe Frequenzen sind massive Wände ein wirksamer Schutz. Der Gesetzgeber fordert aber keinerlei Schallschutz im privaten Hausbau und für das eigene Haus, es muss jeder selbst entscheiden welche Anforderungen er benötigt. Liebhaber lauter Musik sollten zumindest partiell massive Wände und Decken einsetzen oder einen Partyraum im Keller mit einplanen. Behördliche Vorschriften im Schallschutz sind nur zwischen Doppelhäusern und Reihenhäuser, also zwischen getrennten Parteien die Wand an Wand wohnen, einzuhalten.
Es empfiehlt sich aber den Architekten oder das Hausbau-Unternehmen auf den Schallschutz nach aussen anzusprechen, hier sind die Massivhäuser im Vorteil, denn je schwerer die Wände (Ohne Fugen), desto besser die Abschirmung gegen Lärm von aussen.

8. Die Energieeffizienz der Massivhäuser

Wer baut muss seit 2002 die EnEV, die Energieeinsparverordnung einhalten, das bedeutet, dass nur noch Niedrigenergiehäuser gebaut werden dürfen. Und die Anforderungen und die KfW - Effizienzklassen steigen mit jeder Neuauflage der Verordnung. Massstab ist der Jahresheizprimärenergiebedarf. Die benötigte Energiemenge eines Hauses hängt von mehreren Faktoren ab. Die Wahl der Massivbauweise bietet hier  grundsätzlich keine Vorteile. Eine herkömmliches massives Mauerwerk oder Beton bietet allein keine besondere Wärmedämmung. Die Bauweise ist im Punkt Wärmedurchgang einem Fertighaus unterlegen, den Wärmeduchgangswert kann man aber je nach Auswahl und Dicke der zusätzlich aufzubringenden Dämmschichten praktisch auf jeden erwünschten Wert einstellen.
Ein günstiger Nebeneffekt der Massivhäuser ist in der phasenverschobenen Abgabe der an Sommertagen aufgenommen Wärme der massiven Wände zu sehen. Durch die Wärmespeicherfähigkeit der massiven Wände verzögert sich der Wärmedurchgang und somit wird auch die Aufheizung der Räume verzögert. Die nachfolgende Abgabe der Wärme der Aussenwände in den kühleren Abendstunden kann dann noch nützlich sein.

Direkt von den Massivhaus-Herstellern kann man mehr über die Vorteile der Massivhäuser erfahren

© Copyright Hausbau24  (Alle Angaben ohne Gewähr! Kein Anspruch auf Vollständigkeit! Keine Rechtsberatung! Keine Steuerberatung!)


*Bitte beachten Sie das Copyright und die Urheberrechte! Keine Rechtsberatung! Keine Steuerberatung!
Keine Gewähr für Angaben, Preise sind unverbindlich und direkt beim Hersteller zu überprüfen.
Akzeptieren

Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies gesetzt werden. Mehr erfahren